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6. Wissenschaftliche Jahrestagung der DGSF
vom 27. - 30.09.2006 in Leipzig

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WORKSHOPS

Donnerstag, den 28.09.2006, 14.30-17.15 Uhr

D1: Autorität durch Beziehung: Elterliche Präsenz als systemisches Konzept
Katharina von Barner

AUSGEBUCHT!
Elterliche Verunsicherung bis hin zur Hilflosigkeit in der Erziehung mit Kindern und Jugendlichen nimmt in Familien vermehrt Raum. Die Kinder nehmen dann das Heft in die Hand - Respektlosigkeit, Verweigerung, Drogen und Gewalt sind in diesem Zusammenhang nur Stichwörter. Darauf reagieren Eltern häufig entweder mit Rückzug oder mit aggressivem Handeln. Beide Reaktionen fördern die bereits vorhandene Eskalation zwischen Eltern und Kindern. Scham, Schuld- und Versagensgefühle breiten sich aus, worauf die meisten Eltern mit sozialen Rückzug reagieren. In diesem isolierten Teufelskreis werden Eltern noch hilfloser und Kinder dominanter: Um das zu verhindern, brauchen Kinder handlungsfähige Eltern.
Kinder machen oftmals in sehr jungen Lebensjahren die Erfahrung, dass die Erwachsenenwelt ihnen keine Grenzen setzt, da sie sich ohnmächtig fühlt und über kein Unterstützungsnetzwerk verfügt.
Elterncoaching unterstützt Eltern ihre Handlungsfähigkeit zurück zu gewinnen. Die Eltern zeigen sich wieder präsent und überwinden den Teufelskreis der Hilflosigkeit.
Meine Erfahrung: Es ist nie zu spät.
Meine theoretische Basis ist dabei vor allem das Systemische Denken und Haim Omers Konzept des „gewaltlosen Widerstandes gegenüber destruktiven Verhalten von Kindern und Jugendlichen“.
Methoden: Deeskalationsstrategien, Sit-In, Reflektieren und Entwickeln der notwendigen beraterischen/ therapeutischen Haltung.

D2: „Land in Sicht!“ Wie familiäre Resilienz gefördert werden kann
Ulrike Behme-Matthiessen, Thomas Pletsch

AUSGEBUCHT!
In unserer Arbeit begegnen wir täglich Familien, die aus unterschiedlichen Gründen an der Grenze ihrer Belastungsfähigkeit leben. Hier setzt das Konzept der Resilienz an. Resilienz wird definiert als die Fähigkeit, aus widrigen Lebensumständen gestärkt hervorzugehen und macht deutlich, dass belastende Ereignisse auch Wachstum fördern können. Wichtig für die Entwicklung von Resilienz sind u.a. das Gefühl der eigenen Wirksamkeit, aktive Problembewältigung, Vertrauen in Veränderung wie auch Akzeptieren von Begrenzungen sowie die Fähigkeit, ein soziales Umfeld zu nutzen.
Neben einer Einführung in das Resilienzkonzept liegt der Schwerpunkt dieses Workshops darauf , Arbeitsansätze, die Resilienz fördern können, kennen zu lernen und praktisch auszuprobieren. Vorgestellt werden Teile der „Themenorientierten Eltern-Kind-Gruppentherapie“ (TEK), der „Familienkompass“ als Notfallkoffer für Familien sowie Identitäts - und ressourcenstärkende Arbeitselemente.

D3: „Wie viel aufsuchende Betreuung verträgt der Mensch?“
Begegnungen im Alltag von Menschen mit einer geistigen Behinderung Christoph Beurschgens

Die beraterische und therapeutische Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung gilt nach wie vor als schwieriges Geschäft. Aufsuchende Beratung und Betreuung in diesem speziellen Setting birgt jedoch die Chance, schwer zugängliche Systeme zu erreichen und sie in ihrem Veränderungspotenzial zu unterstützen.
Im Workshop werden die Besonderheiten, Strukturen und Muster dieser Klienten thematisiert. Falldarstellungen an Hand von Videodemonstrationen geben einen Einblick in die Zugangsweisen, Rahmenbedingungen, alltäglichen Lösungen und Ideen. Gleichzeitig wird auf die einbezogenen Systeme und Netzwerke eingegangen, in denen der Mensch mit geistiger Behinderung lebt.

D4: „Wenn Schafe die besseren Pädagogen sind“ - Kevin,
Prädikat „gruppenunfähig“ sucht einen Platz, wo er sein kann
Karin Bongers, Inge Maxeiner

In diesem Workshop wollen wir ein Jugendhilfemodell präsentieren, das sich an den Potenzialen der ach so renitenten und sich verweigernden Jugendlichen orientiert, das diese Jugendlichen als willkommene Herausforderung begreift. Auf der Basis „Ressourcenorientierung“ arbeiten wir mit den Säulen „Mitarbeiter“, „Umfeld/Kontext“ sowie „Beratungssetting“, um diesen Kindern/Jugendlichen eine realistische Chance zu eröffnen, einen Platz im Leben zu finden.
Wo Fachpersonal häufig scheitert, verbringt ein Schaf manches Mal Wunder. QuerdenkerInnen sind herzlich eingeladen.

D5: Staatliche Intervention Inhaftierung: Herausnahme, Rückführung, Konsequenz
Dr. Maria Bosch, Lutz Greger

Bei einer Inhaftierung wird meistens der Ehemann und Vater durch staatliche Intervention
aus seinem Bezugssystem, insbesondere Familie(n) herausgerissen.
In dem Workshop soll zusammen mit den Teilnehmenden
erarbeitet werden:
  1. die typische Situation(en) vor der Inhaftierung;
  2. Reaktionen und mögliche Entwicklung der betroffenen Bezugssysteme während der Inhaftierung;
  3. Veränderungen und Prozesse in Familie(n) bei und nach der Rückkehr des Haft entlassenen.

Modelle und Methoden: Es wird die Arbeit mit Inhaftierten und ihren Angehörigen vorgestellt, wie sie während der Untersuchungs- und Strafhaft im geschlossenen wie offenen Justizvollzug möglich wurde - durchgeführt als Ein- oder Mehrsitzungstherapien in der Haftanstalt sowie in Paar- und Familienseminaren von 2 x 5 Tagen in jeweils gleicher Zusammensetzung außerhalb der Vollzugsanstalt. Bei der Begleitung dieser Familiensysteme stehen Aspekte der Realitätswahrnehmung und Entwicklung von Perspektiven im Vordergrund.
Hierzu die Diskussion und der Erfahrungsaustausch der Teilnehmenden.

D6: “Deutsche wieder vereint“ - Ein Modell für Veränderung und Wachstum
Dr. Erdmute Henning, Heinz Bächer

Die Idee ist, die Deutsche Wiedervereinigung im Modell nachzuspielen.
Zwei Gruppen werden gebildet, die Werte, Normen und Regeln in beiden Staaten
zusammentragen und offen machen.
Theorie: Das Prinzip der Veränderung im systemisch wachstumsorientierten Ansatz.
Ziel des Workshops ist, die Transformation von Familienregeln in Leitlinien als gesellschaftlichen Prozess darzustellen. Vorbereitend wird zusammengefasst, wie Regeln entstehen:
  • Kontext Zeit und Ereignisse in bildlicher Darstellung;
  • West- und Ostsozialisation, Werte, Normen, Beachtung;
  • „Alle Wetter!“ - Die deutsch/ deutsche Wetterkarte - eine Dokumentation
  • Status quo 1989 - Schritte und Schrittchen von Veränderung bis 2006
  • Phasen von Veränderung, Integration und Verarbeitung
  • Anerkennung, Sorgen, Beschwerden, Wünsche, Hoffnungen, neue Informationen;
  • Empoverment, Die Fähigkeit Verantwortung zu übernehmen; Quintessenz

D7: Über 7 Brücken musst Du gehen … Die Arbeit mit Übergangsritualen
Ulrike Juchmann

AUSGEBUCHT!
Übergangssituationen erleben wir täglich zum Beispiel beim Wechsel vom Privatbereich zur Arbeit und wieder zurück. Im Lebenszyklus markieren Ereignisse wie Geburt, 18. Geburtstag, Hochzeit, Trennung, Tod wichtige Übergänge. Diese Übergangszeiten werden oft als krisenhaft erlebt. Rituale bieten hier Orientierung und Halt und stiften Sinn. In Therapie, Beratung und Pädagogik sind Rituale hilfreich, um Weiterentwicklung zu fördern und Veränderungen zu bewirken. Im Workshop werden die Phasen und Merkmale von Übergangsritualen verdeutlicht. Viele Beispiele zeigen, wie Anfang, Übergang und Neubeginn kreativ gestaltet werden können. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Erwachsenwerden und der Ablösung vom Elternhaus. Der Workshop ist sehr praktisch angelegt, so dass die TeilnehmerInnen viele Ideen für die eigene Arbeit mitnehmen können.

D8: Keine Sucht ist auch keine Lösung - Umgang mit suchtmittelkonsumierenden Jugendlichen in Familien, in denen das Thema Gewalt eine besondere Rolle spielt
Thomas H. Meyer-Deharde

Suchtmittelkonsum spielt für viele Jugendliche eine wichtige Rolle in ihrer Entwicklung und stellt die Familie, Angehörige, Schule und soziale Hilfssysteme vor besondere Aufgaben. Die abstinenzorientierten oder auch sog. akzeptierende Ansätze stoßen in der Betreuung dieser Jugendlichen an ihre Grenzen, gerade dann, wenn diese Jugendlichen sich dann auch noch gewalttätig zeigen bzw. in den Familien eine zur Gewalttätigkeit „verführende“ Atmosphäre entsteht.
In dem Workshop sollen Handlungsansätze gezeigt und vermittelt werden, wie die unterschiedlichen Komponenten dieses Problemfeldes miteinander in Verbindung gebracht werden können und Lösungsideen entwickelt werden können.

D9: Unterschiede entdeckt...
...beim Umgang mit Diagnosen in einer Psychiatrischen Klinik und einer Psychotherapeutischen Praxis
Claudia Mory, Matthias Richter

Wenn Paare in eine Beratung kommen und ein Partner an einer psychischen Erkrankung leidet, sind systemische Therapeuten vor besondere Herausforderungen gestellt. Vertreten sie die Haltung, psychiatrische Diagnosen seien nur eine wenig hilfreiche Konstruktion, laufen sie Gefahr, dass der diagnostizierte/erkrankte Partner sich abgelehnt oder nicht wahrgenommen fühlt. Räumen Therapeuten jedoch der Diagnose/Erkrankung in der Beratung sehr viel Platz ein, droht eine lähmende Problemtrance und Ressourcen sowie lösungsorientierte Sichtweisen bleiben unentdeckt.
In diesem Workshop widmen wir uns der Beratung von Paaren, bei denen der Partner an einer Depression, einer Angsterkrankung oder einer psychosomatischen Erkrankung leidet. Wir stellen Sichtweisen und Methoden vor, die Paarberatung in einem Kontext ermöglichen, in dem psychiatrische Diagnosen üblich und notwendig sind (z.B. in teilstationärer psychiatrischer Behandlung) die bei ambulanter Paarberatung (z.B. in einer familientherapeutischen Praxis) die Integration und gleichzeitig Negation einer psychischen Erkrankung erleichtern und spielerische Umgangsweisen ermöglichen.
Dabei sollen für Paare hilfreiche Krankheitskonzepte mit psychoedukativen Elementen ebenso vorgestellt werden, wie Techniken zur Übersetzung von Symptomen in Beziehungsbotschaften. Zur Wahrnehmung, Integration und Veränderung im Umgang mit der Erkrankung stellen wir die Methode der Seilskulptur und nonverbale Problemlösungsstrategien vor. Ebenso wie in der Arbeit mit Paaren wollen wir die Workshopteilnehmer dazu einladen, mit uns neue und alte Geschichten rund um psychische Erkrankungen/Diagnosen zu entdecken, zu erfinden, und vielleicht auch umzuschreiben.

D10: Coaching für Eltern als Methode zur Auflösung co-traumatischer Prozesse zwischen Eltern und Kindern
Karl Heinz Pleyer

AUSGEBUCHT!
Ein systemisches Verständnis vom Trauma macht einerseits Hilflosigkeit oder scheinbare Verantwortungslosigkeit von Eltern und andererseits die sog. Verhaltensstörungen von Kindern als traumatische Bewältigungsprozesse plausibel. Wechselseitige traumatische Belastungen in der Eltern- Kind- Beziehung bilden dauerhaft stabile Interaktionsmuster aus und stellen sich nicht selten als hartnäckige Teufelskreise dar, die therapeutisch oft nur schwer zu durchbrechen sind.
Es soll gezeigt werden, wie eine methodische Verknüpfung von Elterncoaching und systemischer Kindertherapie zu Auf- Lösungen sog. „co- traumatischer Prozesse“ und für die Neugestaltung von Eltern- Kind- Beziehungen genutzt werden kann.

D11: „Weil ich zweimal Eltern habe...“ - Identität und Selbstwert von Pflegekindern
Annette Quentin

Die Entwicklung von Kindern, die "in Pflege" gegeben wurden, hängt nicht nur davon ab, welche Bemühungen und Anstrengungen in der "Ersatzfamilie" geleistet werden, sondern wird davon beeinflusst, wie die Realität, zweimal Eltern zu haben, vom Kind verarbeitet wird. Die Kinder fühlen sich den Pflegeeltern trotz geheimer oder offener Phantasien über die leiblichen Eltern häufig sehr verbunden. Was allerdings die Pflegeltern - als "bessere" Eltern -über die - selten freiwillig - abgebenden Eltern denken und fühlen, beeinflusst die Kinder oft stärker als das, was sie mit den eigenen Eltern real erlebt haben. Pflegekinder erfahren tagtäglich das sie in einer besonderen Situation sind: im Kindergarten, in der Schule und vor allem in der Pflegefamilie. Sie haben einen anderen Nachnamen, sehen anders aus als die Geschwister, gehen vielleicht in eine andere Schule.
In diesem Workshop wird die Lebenssituation von Kindern, Eltern und Mitarbeitern von Jugendämtern aus systemischer Sicht betrachtet, um alternative Ideen zu entwickeln, die Kindern in Pflegefamilien es erleichtern eine eigene Identität und einen Selbstwert zu entwickeln.

D12: Elternwerden ist nicht schwer....?
Tanja Sahib

Dieser Spruch aus Großmutters Zeiten - hat der heute noch Gültigkeit? Auf Mütter und Väter, die gerade ein Kind bekommen haben, kommen große Herausforderungen zu. Gleichzeitig sind die gesellschaftlichen Voraussetzungen, die Vereinbarkeit von Beruf und Kind schwierig und oft überfordernd.
Mittels praxisnaher Beispiele zeige ich systemische Begleitungen von Familien im Wochenbett und im ersten Lebensjahr des Kindes. Anhand von verschiedenen Methoden des Externalisierens, die gut zu meiner Zielgruppe passen, beschreibe ich einzelne Fallgeschichten, in denen meine systemische, lösungsorientierte Grundhaltung sichtbar ist.
Inhalte:
  • Würdigung der Anpassungsleistung an eine neue Lebensphase
  • Veränderung im familiären System mit dem neuen Familienmitglied
  • Vorstellung der Methode des „Berg“steigens
  • Das Familienbrett einmal ganz anders
  • trauma- und hypnotherapeutische Elemente in der Beratung nach Schnittentbindungen und postpartalen Depressionen.

D13: Übergänge meistern auf dem Weg durch die Landschaft des Lebens
Monica Streicher-Pachmann

In der Systemischen Arbeit begegnen wir häufig der Vorstellung, dass alles so wie früher bleiben oder wieder werden soll. Nichts kann bleiben, wie es ist. Nichts kann werden wie es war. Auch wenn verschiedene Lebensmodelle vorstellbar sind, bleibt eine Angst, das Neue zu wagen. Woher Ruhe, Zuversicht und Kraft nehmen?
Wenn wir die Vorstellungen der Klienten weiten und die Zielvision lebendig werden lassen, erfahren Klientinnen und Klienten aus sich heraus eine neue Kraft. Die Angst wird zu konstruktiver Energie.
Im Workshop betrachten wir zunächst Phänomene von Übergangssituationen. Sie werden die Arbeit an Zielvisionen erleben und in Triaden erproben um sie in der praktischen Arbeit anwenden zu können.

D14: Systemische Familienmedizin bei chronischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter
Claudia Terrahe-Hecking, Dr. Stephan Theiling

Ein Anwendungsfeld von Systemischer Familienmedizin sind chronische körperliche Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Hier wird eine medizinische Herangehensweise mit einer gleichrangig psychosozial-familienbezogenen Perspektive verknüpft. Neben einer engen biopsychosozialen Kooperation mit den Familien erfolgt auch auf der Ebene der Experten des medizinischen, psychosozialen sowie ggf. pädagogischen Bereiches eine enge Koordination (interdisziplinäre Behandlungsteams).
Neben einer kurzen theoretischen Einführung in das Themenfeld werden in diesem Workshop Interventionsstrukturen und -formen, die in der praktischen Arbeit einer interdisziplinären Arbeitsgruppe einer Kinderklinik (Kinderhospital Osnabrück) entwickelt worden sind, vorgestellt. Auf der Basis „typischer“ Familienmuster, die wir anhand von Familien mit einem z.B. asthma bzw. diabetesbetroffenen Kind bzw. Jugendlichen zusammen gefasst haben, sollen Interventionsmöglichkeiten vorgestellt und geübt werden.

D15: „Wer hat Angst vor'm schwarzen Mann?“ - Systemisches Arbeiten mit Migranten-Familien
Klaudia Weyers, Anne Hachtmann

Derzeit haben mehr als 14 Millionen Einwohner der Bundesrepublik, also ca. 20%, unabhängig von ihrer deutschen oder ausländischen Staatsangehörigkeit, einen so genannten Migrationshintergrund; jede 5. Ehe ist binational, jedes 4. Neugeborene hat mindestens einen ausländischen Elternteil.
Es handelt sich um eine in sich äußerst differenzierte Population, sowohl was den sozioökonomischen Status angeht, als auch ihre politischen, kulturellen und religiösen Orientierungen.
Ihre Integration hat das Ziel, die selbstverständliche und gleichberechtigte Teilhabe an allen gesellschaftlichen Gütern zu ermöglichen und zu sichern.
Dazu gehört auch die offensive Überprüfung und Ergänzung der Routinen der Bera- tungsangebote im Sinne einer interkulturellen Öffnung.
Im Workshop wollen wir gemeinsam konzeptuelle Ideen, hilfreiches Wissen und gelungene Interventionen zusammentragen, die, im Sinne von „best practice“ in die jeweils bestehenden Rahmenbedingungen passen.
Im ersten Teil beschäftigen wir uns mit der Entwicklung einer interkulturell bewussten, beraterischen Haltung, die an eigene Erfahrungen und deren emotionale Eindrücke anknüpft und sich mit Macht und Misstrauen, Exotik und Elend, Faszination und Phantasien auseinandersetzt.
Nach einer Pause schauen wir uns einige Projekte an, die zeitgemäß und differenziert Beiträge zur Erweiterung der Beratungsangebote leisten. Hieraus leiten wir von Erfolg versprechenden Sichtweisen, Vorschlägen zur Veränderung bis zu minimalen Interventionen alles Mögliche ab.

D16: Systemische Supervision in der Klinik – am Beispiel der Neuropädiatrie
Silja Thieme
Das Zusammenarbeiten verschiedener Berufsgruppen, finanzieller Druck, besondere Belastungen durch den nahen Kontakt zu Angehörigen in existentiellen Krisen und vieles andere mehr stellen erhöhte Anforderungen an MitarbeiterInnen im Gesundheitswesen. In dieser Veranstaltung wird vorgestellt, wie Systemische Supervision dazu beitragen kann, die Zusammenarbeit im Stationsbetrieb zu erleichtern, einen respektvollen Abstand zum Arbeitsfeld zu schaffen, Ressourcen zu aktivieren und dem Burnout-Syndrom entgegenzuwirken.

Der Workshop "Frau und Mann in der Postmoderne - Erfahrungen aus der paartherapeutischen Werkstatt" mit Ursula Wolter-Cornell und Tobias v.d. Recke kann aus gesundheitlichen Gründen leider nicht stattfinden.


Freitag, den 29.09.2006, 14.30-17.30 Uhr

F1: Integration systemischer Methoden und Strategien in die Allgemeinpsychiatrie am Beispiel einer Behandlungsstation mit integrierter Eltern-Kind-Behandlung
Bernd Abendschein

Wir wollen auf diesem Workshop über einige Versuche berichten, systemische Ideen in das Gesamtkonzept einer allgemeinpsychiatrischen Behandlungsstation mit integrierter Eltern-Kind-Behandlung zu fassen und praktisch umzusetzen und beschäftigen uns damit, welche Möglichkeiten und Freiraum systemisches Arbeiten für die therapeutische Praxis eröffnet. Die offen geführte, psychotherapeutisch ausgerichtete Station 39 des Psychiatrischen Zentrums Nordbaden in Wiesloch übernahm ab dem Jahr 1999 als zusätzliche Aufgabe die Eltern-Kind-Behandlung. Die Station ist eine "durchmischte" Station mit 21 Betten, bezogen auf Diagnosegruppen und Geschlechter. Es können maximal 7 Mütter/Väter mit ihren 1-3 Kindern (im Alter von 0-7 Jahre, in Ausnahmefällen auch älter) und 14-17 Patienten ohne Kinder Aufnahme finden. Ein Schwerpunkt ist die Behandlung von Müttern mit sog. "Persönlichkeitsstörungen".
Die systemischen Behandlungsansätze nehmen im Zuge von Eltern-Kind-Behandlungen einen breiten Raum in der therapeutischen Arbeit ein, werden aber natürlich auch zum Nutzen der "kinderlosen" Patienten auf Station eingesetzt. Wir greifen einige Elemente des systemtherapeutischen Vorgehens heraus, beschreiben und illustrieren sie mit Fallvignetten. Neben den besser vertrauten Methoden systemisch-psychiatrischen Arbeitens (wie Genogrammarbeit, systemische Paar- und Familientherapie) konzentrieren wir uns auf neuere Entwicklungen wie der systemischen Fallbesprechungskultur, des Verhandelns mit Patientinnen über kritische Behandlungsentscheidungen, die systemische Einzel- und Gruppentherapie und die Besonderheiten bestimmter Patientinnengruppen, insbesondere Behandlungsstrategien bei den sog. "Persönlichkeitsstörungen.

F2: Systemische Lösungen für psychosomatische Beschwerden
Irmgard Bohmann

Die von Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd entwickelten Systemischen Strukturaufstellungen sind ein systemisches Aufstellungsverfahren zur Repräsentation und Modifikation von Struktur und Dynamik verschiedener Systeme. Anders als beim Familienstellen werden anstelle von Familienmitgliedern z. B. innere Anteile oder Körperteile des Klienten aufgestellt, oft auch abstrakte Elemente wie "das Ziel", "das Hindernis" oder Werte wie "die Gesundheit". Ein weiterer wesentlicher Unterschied ist die Lösungsorientierung, die Frage nach Ausnahmen und Unterschieden, die wichtiger Bestandteil des Vorinterviews ist. Zur Lösung von psychosomatischen Beschwerden hat Insa Sparrer die Körperaufstellung und die Körper-Strukturaufstellung entwickelt. Bei der Körperaufstellung werden Körperteile, Organe, Funktionskreisläufe, evt. Medikamente oder andere Hilfsmittel aufgestellt. Bei den Körper-Strukturaufstellungen kommen noch ausgeschlossene Familienmitglieder hinzu.
Im Workshop werden Theorie und Praxis dieser beiden Aufstellungsformen vermittelt. Des weiteren wird ein Format zur Kommunikation mit einem Symptom vorgestellt.

F3: BEWEGUNG INS SPIEL BRINGEN - Multimodale systemische Therapie
„Bewegende Lösungen ... oder wie ich dem systemischen Ansatz Beine mache“
Jimmy Bruhs

In dem Workshop soll demonstriert werden, wie bewährte verbale Methoden des systemischen Ansatzes unter Berükksichtigung von handlungs-, wahrnehmungs- und körperorientierten
Arbeitsformen so transformiert werden können, dass bei den KlientInnen im therapeutischen und supervisorischen Kontext ein multimodaler Suchprozess für neue Lösungen angeregt wird.
Ziel dieses erlebnisorientierten Ansatzes ist es, - neben der Anregung neuer kognitiver Konstrukte - mittels handlungsorientierter Methoden gezielt emotionale, somatische und unbewußte Reaktionen der KlientInnen bei der Konstruktion neuer Lösungsmuster zu berücksichtigen.
Hierzu sollen einzelne Methoden (z.B. das "MIMO-Feedback", "Symbolische Netzwerkarbeit" oder die "VIRUS-Methode") exemplarisch anhand von Lifedemonstrationen oder Übungen vorgestellt werden, sowie Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch gegeben werden.

F4: Systemische Familienmediation in der Trennungs- und Scheidungsberatung:
Ein Weg vom Kindesweh zum Kindeswohl
Prof. Dr. Peter Bünder

AUSGEBUCHT!
Wenn Ehen auseinander brechen, treffen die Folgen vor allem die Kinder. Da ca. jede dritte Ehe scheitert und jährlich rund 170.000 Kinder von der Scheidung ihrer Eltern betroffen sind, ist nachvollziehbar, weshalb § 17 SGB VIII zur Pflichtleistung der öffentlichen Jugendhilfe gemacht wurde.
Kinder wollen zumeist nicht die Scheidung ihrer Eltern, müssen sie aber mit allen Konsequenzen hinnehmen. Dabei mehren sich jene Scheidungsfälle, die von Gerichten als strittig bzw. hochstrittig eingestuft werden. Sich entwickelnde erbitterte Kämpfe zwischen den Eltern stellen für die Kinder eine enorme psychische Belastung dar. Nicht selten werden sie als „Munition“ im Kampf gegen den anderen Elternteil eingesetzt. Die Bedürfnisse der Kinder nach Sicherheit, Unterstützung und beidseitigem Kontakt bleiben oft auf der Strecke. Unterstützung und ggf. Abhilfe für alle Beteiligten kann hier eine qualifizierte systemische Familienmediation bieten. Der Workshop wird für die Beratungsarbeit mit betroffenen Eltern und Kindern einen speziellen systemischen Ansatz vorstellen.
Arbeitsformen sind Kurzvortrag, Fallreflexion, Übungen und Video-Demonstration.

F5: Alltäglich aufregende Systeme? Aufregung im Beruf zum Beispiel?
Wie kriegen wir es hin, uns im Team gegenseitig erfolgreich zu coachen?
KTC, ein hilfreiches Modell für die Intervision.
Dr. Friederike Burkhardt-Staudigel

KTC steht für „Kollegiales Team Coaching“ und ist ein zeitlich wie auch inhaltlich klar strukturiertes Verfahren - sowohl für Industrie, als auch für Non-Profit Unternehmen - das es einem Team ermöglicht, Hierarchie und Kompetenz-übergreifend Lösungen für die Anforderungen der Teammitglieder zu finden. Die Gruppe nutzt dabei in verschiedenen Rollen
das diagnostische, kreative und emotionale Potenzial eines Kollegenteams und damit den unterschiedlichen wie auch den gemeinsamen Erfahrungsschatz.
KTC ist praxisbegleitend, „learning on the job“ und prozessorientiert; es professionalisiert die Teammitglieder zu kompetenten Coaches für ihre Kollegen: KTC-Ausgebildete werden Schritt für Schritt selbst zu Induktoren und Multiplikatoren für maßgeschneiderte Lösungen in ihrem System - sowohl bei Führungs- als auch bei Sachthemen.
Wenn Sie neugierig geworden sind, wie das geht, will ich Ihnen in einem Workshop die Struktur und den Ablauf von KTC vorstellen. Vielleicht haben sie Lust, einen Lösungskatalog für ein umschriebenes Problem aus Ihrem Arbeitsbereich mit nach Hause zu nehmen!

F6: Systemisches Arbeiten im Kontext häuslicher Gewalt
Annett Engelmann, Frank Wünsche

Wir, Annett Engelmann, Frank Wünsche und KollegInnen arbeiten seit November 2003 im
Rahmen eines Modellprojektes des SMS Sachsen, mit Tätern und Täterinnen häuslicher
Gewalt.
In diesem Workshop werden wir die Faktoren und Formen häuslicher Gewalt darstellen, die interaktionalen Zusammenhänge veranschaulichen und Arbeitsansätze in den Settings Einzelberatung, Paarberatung und Gruppenarbeit aus dem Hintergrund systemischer Grundhaltung vorstellen (Affektsteuerung, Biographiearbeit, Aufarbeitung der Paardynamik, Beendigung der Gewalteskalation, Erarbeitung einer gewaltfreien Kommunikation u.a.).
Darüber hinaus wird die Vernetzungsarbeit und Kooperation verschiedener Institutionen und Einrichtungen dargestellt und Handlungsabläufe zwischen diesen aufgezeigt.
Die Darstellung der Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung und Schlussfolgerungen daraus werden wir zur Diskussion stellen.

Kreative Methoden in der systemischen Therapie
Farbfamilien - Farbspiele und mehr
Barbara Funk

Kreative Methoden in der systemischen Therapie eignen sich in besonderem Maße für Kinder und Jugendliche, aber auch für Erwachsene. Sie sind in der Einzeltherapie, in der Gruppe, mit der Familie, im Team anwendbar. Neben der Verarbeitung eigener Themen im Tun kann das Dargestellte zum Gespräch genutzt werden und hat immer den selbstwertsteigernden Aspekt, etwas Kreatives geschaffen zu haben. Kreative Methoden finden ebenfalls Anwendung im pädagogischen und entwicklungsfördernden Bereich mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Durch praktisches Gestalten mit Pinsel und Deckfarben erhalten die TeilnehmerInnen des Workshops einen Einblick in die kreative systemische Therapie. Anschließend wird in einem Vortrag das Konzept vorgestellt, es beinhaltet z.B. allgemeine Prinzipien, Rahmenbedingungen für gestalterische Methoden, Arbeit mit verschiedenen Patientengruppen, Besprechungsmöglichkeiten, Materialkunde, Themenauswahl und -einführung und viele praktische Beispiele. Ideenaustausch und Diskussion sind willkommen.

F8: „Kinder sind das Unbewusste der Familie“ -
Einführung in die hypnosystemische Kinder- und Jugendlichentherapie
Hanna Grünewald-Selig

AUSGEBUCHT!
Symptome sind für Eltern, Erzieher und Betreuungspersonen der Anlass, warum Hilfestellung bei Fachleuten gesucht wird. Diese Symptome sollen möglichst verschwinden, und werden von Betreuern oder Eltern als störend und unangenehm erlebt und mit mehr oder weniger Erfolg bekämpft. Dadurch entstehen neue Probleme, die nicht so schnell „weggehen“ wollen, sondern erhebliche Stabilität beweisen.
In der hypnosystemischen Therapie arbeiten wir an folgenden Fragen:
  • Was möchten das Unbewusste der Kinder und Jugendlichen den Eltern/Betreuern mittels Symptomen und Verhaltensweisen mitteilen?
  • Wie versuchen Kinder durch problematisches Verhalten auf notwendige Veränderung im Familiensystem hinzuweisen?
  • Welche Funktion hat das Symptom für das Familiensystem, dessen Erhaltung und Stabilität?
  • Welche Kommunikation, welche Sehnsucht gilt es hinter dem Symptom zu
    entdecken?
  • Wie versuchen Kinder eine Vollständigkeit im Familiensystem im emotionalen
    Bereich herzustellen?

Diese Kräfte im Familiensystem gilt es zu erkennen, zu verstehen und in einen neuen Rahmen zu stellen. Ausgehend von Alltagstrancen verbinden wir hypnotherapeutische und systemische Methoden anhand von Beispielen, wie diese Kräfte von der Familie zur Begleitung der notwendigen Veränderungsprozessen hilfreich werden können.

F9: Tag für Tag - Ressourcenorientierung in der Sozialarbeit
Johannes Herwig-Lempp

Sich an Stärken, Kompetenzen und Erfolgen zu orientieren, klingt eigentlich ganz einfach. Aber nicht immer fällt uns auch gleich ein, wie wir das methodisch umsetzen können. Dabei sind die Möglichkeiten so vielfältig wie die Arbeitsfelder von SozialarbeiterInnen.
Wir werden uns im Workshop erarbeiten, wie und wo wir Ressourcen nicht nur wahrnehmen und würdigen, sondern sie auch ganz praktisch in die alltägliche Sozialarbeit einbeziehen können. Selbstverständlich werden wir dabei auch die Erfahrungen und die Kompetenzen der Workshop-TeilnehmerInnen nutzen.

F10: S M I L E = Systemisch Multimodal Integrativ Lösungsorientiert Entlastend - ein aus alten und neuen Instrumenten komponiertes Therapiekonzept für AD(H)S-Kinder und ihre Eltern/Familien
Esther-Maria Keil

Impulsive, unruhige oder träumende Kinder sind alltäglich sehr aufregende Systeme! Sie werden offenbar immer zahlreicher, die Aufmerksamkeit und Leistung häufig nicht zum erwarteten Zeitpunkt aufbringen können und ihre Materialien selten in der vorgesehenen Ordnung haben. Spätestens in der Grundschule geraten sie mindestens sozial in eine Außenseiterposition, Selbstzweifel nehmen oft ebenso zu wie ein Aufbegehren, das es Eltern, Familie, Lehrern und Gleichaltrigen noch weiter erschwert, gut mit ihnen auszukommen. Hier ist in erster Linie Entlastung angesagt: Entlastung des Kindes von der Selbst- und Fremdüberzeugung, ein Versager zu sein, sowie Entlastung der Eltern von dem allgegenwärtigen Vorwurf schlechter Erziehung. Zugleich sollten Kinder und Eltern, aber auch LehrerInnen und andere Beteiligte Anreize enthalten, neue Bewältigungsstrategien für besondere Herausforderungen zu entwickeln, denn eine solche stellt die Kombination der besonderen Disposition namens AD(H)S und des herrschenden pädagogischen Zeitgeists in Elternhaus, Kindergarten und Schule dar. Das Instrumentarium von S M I L E stellt deshalb bereit:
  • ressourcenorientierte Diagnostik, die nicht nach Defiziten fragt, sondern nach dem bisherigen Ausmaß bereits erlernter Fähigkeiten, so dass bereits zu diesem Zeitpunkt entwicklungsfähige Perspektiven aufgezeigt werden
  • Elemente für Einzeltherapie und -training für die Kinder, die Ressourcen, Kompetenzen, Kreativität, Selbstvertrauen, Strategien und Leistungsfähigkeit fördern
  • Methoden der Gruppenarbeit mit Kindern zur Verbesserung der Selbst- und Fremdwahrnehmung sowie der sozialen Kompetenzen in verschiedenen Aspekten
  • Gestaltungsmöglichkeiten von Eltern-Seminaren und Familientreffen, in denen nur weniges (Bewährte) gepredigt, sondern vor allem viel Raum gegeben wird für die Entfaltung von elterlicher Präsenz, Selbstorganisation und Teamgeist für die Bewältigung anstehender Aufgaben - und von Humor, dem vielleicht wichtigsten Helfer im gesamten therapeutischen Prozess.

F11: Arbeit mit psychisch und sozial belasteten Kindern und ihren Familien in der Familientagesklinik
Stefan Höring, Ines Petzold

Seit 1998 sammeln wir Erfahrungen in der Entwicklung eines tagesklinischen Konzeptes für die Behandlung von psychisch belasteten Kindern und ihren Familien. Die Behandlung von mehreren Familien gleichzeitig bietet - sowohl für das therapeutische Team als auch für die Familien - ganz andere Herausforderungen und Chancen im Vergleich zum therapeutischen Setting einer traditionellen kinder- und jugendpsychiatrischen Station. Das Kind wird zu keinem Zeitpunkt aus seinem sozialen Kontext ausgegliedert. Durch Mehrfamiliengruppen werden sowohl gruppen- wie auch familientherapeutische Effekte wirksam. Das tagesklinische Setting erhöht zusätzlich die Intensität der Therapie.
Ein manualisiertes Therapieprogramm wird derzeit erarbeitet. In bisherigen empirischen Untersuchungen wird deutlich, dass sich die Symptomatik der Kinder bei Behandlungsende und bei einem Follow-Up nochmals wesentlich verbesserte. In der Eltern-Kind-Beziehung spiegeln sich liebevollere und selbstsicherere Beziehungen wieder, auch unterscheiden sich Eltern mit eigener psychischer Belastung nach 1,5 Jahren nur noch unwesentlich von der Kontrollpopulation.
Der Workshop bietet eine Einführung in die Arbeit unserer Familientagesklinik. Anhand praktischer Beispiele werden spezifische Interventionen vermittelt.

F12: Zusammenspiel von Systemischem, Lösungsorientiertem und Ericksonschem Vorgehen
Anne Lang

Ich beschäftige mich in meinen Arbeitsbereichen von Psychotherapie, Beratung und Coaching damit, wie eine Kombination dieser drei Verfahren zusammenwirkt.
Eine Lösungsorientierte, Systemische und Ericksonsche Veränderungsarbeit kann als auf gleichem theoretischen Hintergrund beruhend betrachtet werden. Dieser bietet konstruktivistische Vorstellungen wie Störungen entstehen und wie Veränderung geschieht bzw. angestoßen wird. Gemeinsam ist ihnen die konstruktivistische Konsequenz, dass wir die entstehende Wirklichkeit erzeugen mit dem was wir - auch in der Veränderungsarbeit - tun oder lassen, befragen oder nicht befragen, thematisieren oder nicht thematisieren und dass das dann wieder auf das Entstehende zurückwirkt.
Das Systemische bringt dabei die Meta- Betrachtung und Arbeit mit dem System ein, das Lösungsorientierte den stringent ausgerichteten Faden und das Ericksonsche u.a. eine Muster aufweichende Arbeit in Schleifen. Die drei Richtungen tragen also somit unterschiedlich zu einer die Selbstorganisation anregenden Arbeit bei. Diese Hilfen sind einmal als strukturierender Prozessarbeit und dann auch als erweiternder Schleifenarbeit zu sehen. Dieses soll an Beispielen demonstriert werden.

F13: Einführung in das Lebensfluss-Modell
Peter Nemetschek

AUSGEBUCHT!
Die Lebensfluss-Arbeit ist ausgereift und hat sich in meiner Praxis und der von KollegInnen mit unterschiedlichsten Familien tausendfach bewährt. In Unterschichtfamilien ebenso wie in gutbürgerlichen, vom Kleinkind an bis zu Großeltern.
Immer deutlicher wird in der prozessorientierten Familientherapie klar: Was handelnd, in emotionaler und körperlicher Bewegung erfahren wird, bildhaft, plastisch mit Herz und Hand, wird seelisch und neurologisch tief aufgezeichnet und hat Wirkkraft.
Die Aufmerksamkeit von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen fesseln und ihre Mitarbeit gewinnen: mit Seilen als Lebenslinien, Herzen, glitzernden Markierungspunkten für bedeutsame Lebensabschnitte in Vergangenheit, Jetzt und Zukunft, "wenn ich mal groß bin". Dieses Fließ-Modell verknüpft konstruktive Erfahrungen und Kräfte der Familie ganzheitlich zu einem Lösungsprozess.
Workshop: Demonstrationen mit Großbildprojektion und Fallbeispielen.

F14: „Hormonelle Feuerwerke und Pyrotechnik in der Jugendhilfe" - oder wie man aus systemischer Sicht mit Adoleszenten umgehen kann
Ivo Nicolai, Alexander Kalb

Gerade die Adoleszenz ist ein Zeitabschnitt, der vielen jungen Menschen Probleme bereitet, da sie ganz unterschiedlichen Veränderungen scheinbar zeitgleich gegenüberstehen. Die Entwicklung zum vollen Erwachsenen wird von einem diffusen Gefühl begleitet, sodass die Jugendlichen eigentlich gar nicht wissen, ob sie auf dem richtigen Weg sind oder wo es denn (überhaupt) hingehen soll.
Bei Adoleszenten, die in Jugendhilfeeinrichtungen untergebracht sind, wird dieser verwirrende Zustand durch weitere Veränderungen sozialer und geografischer Natur oft noch stärker erlebt. Hier stellen sich große Herausforderungen an das Helfersystem, will man dem jungen Menschen ein Stück Orientierung an die Hand geben.
In diesem Workshop soll am Beispiel einer Jugendhilfeeinrichtung aufgezeigt werden, mit welchen Schwierigkeiten Jugendliche konfrontiert werden und wie das Helfersystem (dazu) aus systemischer Sicht intervenieren kann. Die Referenten werden verschiedene hilfreiche Strategien im Umgang mit Adoleszenten vorstellen. Anhand theoretischer Inputs und praktischer Übungen soll das vermittelte Wissen den Teilnehmern dieses Workshops näher gebracht werden.

F15: Das Neun Felder Modell
- ein lösungsorientiertes Verfahren in Therapie und Beratung -
Joseph Rieforth

Der Arbeitsalltag in Psychologie, Psychotherapie sowie Beratung ist gekennzeichnet durch eine intensive Auseinandersetzung mit problematischen (pathogenetischen) Entwicklungsverläufen. Die erkenntnisleitende Frage zielt in erster Linie ab auf die Ursache des Problems, im Sinne: Was ist problematisch bzw. was macht krank?
In den letzten Jahren hat sich begleitend zunehmend eine neue Fragestellung etabliert, die als salutogenetische Sichtweise populär geworden ist. In diesem Rahmen gilt es die Ursachen von Gesundheit und Ressourcen zu erfragen, im Sinne: Was hält uns gesund, bzw. welche Fähigkeiten sind vorhanden?
Wurden beide Sichtweisen besonders in der Psychotherapie bislang eher als entweder/oder d.h. konkurrierend aufgefasst (Problem- vs. Lösungsorientierung), so ergibt sich gerade in der systemischen Psychotherapie die Möglichkeit saluto- und pathogenetische Sichtweisen sowohl als auch anzuwenden und damit das Interventionsspektrum zu erweitern.
In einem vom Referent entwickelten Konzept zur Erfassung von Problem- und Lösungsräumen wird in diesem Seminar das „Neun-Felder-Modell” als ein Orientierungsrahmen für therapeutisches und beraterisches Handeln im Sinne von ‚sowohl als auch' vorgestellt und praktisch erfahrbar gemacht.

F16: Multifamilientherapie bei anorektischen Kindern und Jugendlichen -
Therapie von Essgestörten im tagesklinischen Kontext
Maud Rix, Katja Scholz

Die Behandlung anorektischer Kinder und Jugendlicher stellt Therapeuten und Familien vor eine große Herausforderung. Die häufig notwendige stationäre Aufnahme entlastet Therapeuten und Eltern nur kurzfristig. Nach der Entlassung kommt es oft zu einer erneuten Gewichtsabnahme und einer Wiederkehr anorektischer Verhaltensweisen und Denkmuster - Eltern stehen diesem Rückfall ohnmächtig gegenüber. In dem Workshop wird ein Therapieprogramm vorgestellt, das eine sofortige, intensive und praktisch-alltagsnahe Einbeziehung der Eltern in die Therapie realisiert. Die Eltern bleiben damit in ihrer Verantwortlichkeit für das Kind und erlernen und erleben Kompetenz im Umgang mit der Krankheit. Das Kind wird zu keinem Zeitpunkt aus seinem sozialen Kontext ausgegliedert. Durch die Mehrfamiliengruppen werden sowohl familientherapeutische wie auch gruppentherapeutische Effekte wirksam. Das tagesklinische Setting erhöht zusätzlich die Intensität der Therapie. Das Konzept in anwendbar bei leichter und schwerer Anorexie. Es kann sowohl als eigenständige Therapie als auch als Ergänzung oder Fortführung einer stationären Behandlung angewendet werden.
Der Workshop bietet eine Einführung in die Arbeit mit dem ‚Dresdner Modell'. Es werden familientherapeutische Techniken und insbesondere spezifische Interventionen in der Mehrfamiliengruppe mit anorektischen Patienten vermittelt.

 

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Aktualisiert: 10.02.2006