Weiterbildung zum Systemischen Therapeuten / Familientherapeuten
Anerkannter Weiterbildungsgang der DGSF – Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie
Teilnehmen können Diplompsychologen; Psychologen (Bachalor/Master); Ärzte; Diplomsozialpädagogen; Sozialarbeiter (FH) d. h. Heil- oder Sozialberufe mit Hochschul- oder Fachhochschulabschluss. Voraussetzung sind die Teilnahme am Einführungsseminar, psychosoziale Berufserfahrung und die Möglichkeit während der Weiterbildung mit Klient/Innen, Familien, Systemen arbeiten zu können. Ausnahmen sind nach spezieller Prüfung der Eignung des Teilnehmers möglich.
Dauer und Umfang:
3 Jahre,
70 Weiterbildungstage, davon
12 Lehr- und Selbsterfahrungsseminare im Seminarhaus,
13 mal Fallsupervision (in 2 Teilgruppen) und 9 Tage Live-Supervision – beides vorzugsweise in Einrichtungen der Teilnehmer.
25 Stunden Einzel-Selbsterfahrung.
Hinzu kommt zur Begleitung der eigenverantwortlichen systemischen Arbeit die selbst organisierte Intervision und kollegiale Supervision in der Kleingruppe.
Kosten: 36 Raten zu je 183 Euro inklusive Übernachtung im Seminarhaus, Einführungsseminar 210,- Euro,
Verpflegung sehr kostengünstig durch die Selbstversorgung der Gruppe (ca. 6 Euro/Tag).
Zusätzlich ist das Honorar für den Selbsterfahrungstherapeuten einzuplanen.
Abschluss: Bei Erfüllung aller geforderten Ausbildungskriterien erhält der Teilnehmer das Zertifikat des Institutes, sowie auf Antrag bei der DGSF den geschützten Titel "Familientherapeut/in - systemische/r Therapeut/in (DGSF)".
Ausbildungsabschnitte:
(Die Zeiten werden in Unterrichtseinheiten UE á 45 Min. angegeben)
Lehrseminare (426 UE)
Die Gruppe erlebt jeweils einen mehrtätigen intensiven Lern- und Erfahrungsprozess im Seminarhaus Bernbruch. Die Lehrinhalte werden praxisnah, anschaulich und handlungsorientiert vermittelt. Dazu steht ein reiches methodisches Spektrum zur Verfügung, wie methodische Demonstrationen, Simulationen durch Rollenspiel und Skulpturarbeit, Üben in Kleingruppen. Die Teilnehmer entwickeln ihre systemische Wahrnehmung und Arbeitshaltung. Persönliches Wachstum wird durch Selbsterfahrung angeregt.
Einführungsseminar (3 Tage): Arbeit mit Genogrammen; wichtige familientherapeutische Schulen; anschauliches und erlebnisorientiertes Arbeiten; bildhaftes Arbeiten mit dem "Lebensfluss" ; Darstellung und Bearbeitung von Beziehungen im Familien- und Helfersystem durch Skulpturarbeit; Simulation der therapeutischen Begegnung; hilfreiche Therapeutenhaltung: ressourcen- und lösungsorientiert, "Mitgehen und Führen" , paradoxes Umgehen mit Ambivalenzen und "Widerstand"; Parts Party nach SATIR.
Weitere Informationen
Seminar Basismethoden I (4 Tage):
Kennenlernen/Konstituierung der Weiterbildungsgruppe. Einführen in das
Lebensflussmodell; strukturelles und erlebnisorientiertes Arbeiten in
Kleingruppen entlang der typischen Entwicklungsphasen von Familien; Risiken
und Chancen der Entwicklungsphasen im Sinne von Herausforderungen;
Wahrnehmung der Übergänge zwischen den Entwicklungsphasen.
Erstinterview: Kontakt und
Kooperation herstellen, Orientierung und Information geben; System- und
Ressourcendiagnostik; lösungsorientertes Explorieren: zirkuläre Beschreibung
des Problems, des Themas (wer ist wie beteiligt), Frage nach den Ausnahmen,
nach bisherigen Lösungsversuchen, nach Entstehungstheorien/Hypothesen;
Herausarbeiten von therapeutischen Zielen. Klientenkategorien – Einführung. Therapeutenhaltung: ressourcen-
und lösungsorientiert, "Mitgehen und Führen". Therapieplanung.
Seminar Basismethoden II (4 Tage): Geschichte der Familientherapie/systemischen Therapie, Entwicklung der verschiedenen familientherapeutischen, systemischen Schulen. Vermittlung von Basistechniken: systemisches Wahrnehmen, Spiegeln, Doppeln emotionaler Erlebnisinhalte; Einführung in ressourcenorientierte Genogrammarbeit. Systemische Diagnostik/systemische Testverfahren. Einführung in die Skulpturarbeit (Elemente der Skulpturarbeit: Hierarchien, Kommunikation, Beziehungen, Grenzen), schrittweises Erarbeiten der Elemente des Skulpturbaus und Nutzen (z. B. Perspektivwechsel). Ressourcenarbeit am Lebensfluss. Merkmale der systemtherapeutischen Haltung.
Seminar Basismethoden III (4 Tage): Konstruktivismus. Strategisches und lösungsorientiertes Arbeiten, Lebensfluss als Leitbild der ressourcen- und lösungsorientierten Arbeit, Zukunftsprojektion: Erarbeiten von Lösungsbildern ("Wunderfrage"); zirkuläres und hypothetisches Fragen. Scaling. Wahrnehmung und Nutzen ambivalenter Anteile, indirekte paradoxe Anweisungen. Rückfallprophylaxe. Positive Wertschätzung, konstruktives Uminterpretieren, systemischer Kommentar und therapeutisches Lob. Arbeit mit dem reflektierenden Team. Erarbeiten von Aufträgen.
Seminar Körperorientiertes Arbeiten (5 Tage): Körperbezogenes Arbeiten in der Systemischen Therapie; nonverbale Wahrnehmung – körperorientierter Fokus; Wahrnehmung von Körperhaltung und –reaktion im therapeutischen Kontext – den Körperprozess studieren und nutzen. Therapeutische Prozesse: Problemhaltung – Lösungsimpulse - Lösungshaltung. Mittels körperorientierter Herangehensweise konstruktives Arbeiten an aktuellen „Spontanregressionen“/ Projektionen; Wahrnehmung und Arbeit an erschwerenden Konstellationen in Ursprungsfamilie – den Umweg in die Vergangenheit für die aktuelle Beziehungsgestaltung nutzen. Nutzung von Körperhaltungen und Übungen zur Förderung von Beziehungen (Halten, Berühren ; Atmen...); körperorientierte Aufträge; Indikationen und Kontraindikationen.
Paarseminar (3 Tage): Selbsterfahrungsseminar zum Thema Partnerschaft. Die Partner und Partnerinnen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind dazu eingeladen.
Seminar Systemische Paartherapie (3 Tage): Paartherapie – Erstinterview; Phasen der Partnerschaft am „Paarlebensfluss“. Partnerschaftsorientierte Genogrammarbeit. Arbeit an aktueller Paarproblematik im Kontext der Paar- und Lebensgeschichte – Austausch über gegenseitige Erwartungen, über bewahrenswerte „Schätze“, über Veränderungspotential, über Lösungen von Konflikten, über notwendige Arrangements. Versöhnender Dialog (Schätze, Verletzung, Verzeihen, Versöhnung). Körperorientiertes Arbeiten; Sexualtherapie. Paartherapeutisches Arbeiten an Übertragungen aus der Ursprungsfamilie. Arbeit mit widerstreitenden Anteilen der Partner. Arbeit an und mit dem Raum für Beziehung. Arbeit an „Paar- und Beziehungsverträgen“. Aufträge und Rituale entwickeln.
Seminar Familienrekonstruktion (7 Tage): Selbsterfahrungsseminar zur eigenen Familiengeschichte. Genogramm bis zur Urgroßeltern- Generation erstellen/ Information und Material sammeln/ gesellschaftlich-historische Einordnung. Herausarbeiten der Werte, Traditionen, Ressourcen, Lösungsstrategien, Überlebensstrategien, Rituale der Familie väterlicherseits/ mütterlicherseits. Konstruktiver Umgang mit Delegationen und Loyalitäten. Skulpturarbeit nutzen (strukturell und mit Rollenspielern). Nutzen für die Gegenwart für den einzelnen Teilnehmer. Anwendung von Familienrekonstruktion im therapeutischen Kontext.
Seminar Hypnosystemisches Arbeiten (4 Tage): Hypnotherapeutische Prozesse in der systemischen Therapie. Unbewusste Prozesse nutzen, Alltagstrance in Familien. Neurolinguistisches Vorgehen – Studium und Nutzen der Wahrnehmungskanäle und Repräsentationssysteme. Tranceinduktionen (Milton H. Erickson). Tranceintegration von Persönlichkeitsanteilen. Erarbeiten und Durchführen von Lösungstrancen. Konstruktion und Nutzen von Geschichten in der Therapie, metaphorisches Arbeiten. Nutzen von „Ankern“, Symbolen und Ritualen. Indikationen und Kontraindikationen.
Seminar Systemisches Arbeiten mit spezifischen Symptomen und Krisen (4 Tage): Systemische Herangehensweise an spezifische Symptome und Krisen. Menschen mit psychiatrischen Diagnosen, mit psychosomatischen Symptomen und Erkrankungen, mit körperlichen Erkrankungen und deren Familien. Systemische Erklärungsansätze zur Entstehung und Entwicklung von psychischen, somatischen, psychosomatischen Symptomen, Konflikten, Problemen, von Beziehungs-, Lösungs- und Verhaltensmustern. Umgang mit Symptomen - Arbeit mit Externalisierungen sowohl im einzeltherapeutischen als auch im familientherapeutischen Setting. Möglichkeiten und Grenzen der Systemischen Therapie.
Seminar "Systeme" (4 Tage): Reflexion therapeutischer Positionen und Haltungen in Systemen, in systemischen Prozessen. Planspiel, Systemanalyse, Systemlandschaften, Systembegegnungen. Stellung der Systemischen Therapie innerhalb der Psychotherapielandschaft (BRD, Europa, Welt). Systemisches Setting Klinik/ Beratungsstelle/ freie Praxis... Herausarbeiten des systemischen „Nenners“ und Herausarbeiten der spezifischen systemischen Arbeitsweise in dem jeweiligen Arbeitskontext der Teilnehmer. Therapeutische Begegnung – emotionale Rahmung therapeutischer Prozesse.
Abschluss-Seminar (3 Tage): Metaperspektive. Familientherapeutische Prozesse anhand von abgeschlossen Fällen und Abschlussberichten Revue passieren lassen. Erfolgskontrolle – Evaluationen. Reflexion des eigenen persönlichen und beruflichen Entwicklungsprozesses innerhalb der Weiterbildung. Selbstreflexion, Reflexion durch Gruppe und Trainer. Vorstellung von Supervisionsmodellen.
Fallsupervision (104 UE)
In zwei Untergruppen finden regelmäßig Fallbesprechungen statt zum systemischen Reflektieren der praktischen Arbeit der Teilnehmer mit Klienten / Patienten / Familien / Systemen. Jeweils eine SupervisorIn führt die Supervision durch.
Systemische Praxis unter Live-Supervision (84 UE)
Drei Therapiesitzungen je Teilnehmer/in werden gemeinsam mit einem Trainer und der halben Ausbildungsgruppe als "reflecting team" vorbereitet, live begleitet und nachbereitet. Dabei lernt jeder Teilnehmer im Beobachter-Team etwa 40 Familien von Kolleg/innen in systemischen Settings kennen, studiert die Arbeit von Trainer/innen und Kolleg/innen. Der/die Teilnehmer/in kann seine/ihre spezifischen Stärken und ihren persönlichen Stil entwickeln.
Systemische Praxis
Zwischen den Supervisionen führt die TeilnehmerIn die Systemischen Therapien bzw. Beratungen eigenverantwortlich fort (mind.200 Sitzungen) und dokumentiert die Verläufe.
Einzel-Selbsterfahrung
25 Sitzungen systemische Einzel-Selbsterfahrung bei einem systemischen Therapeuten eigener Wahl (nicht identisch mit den Trainern der Gruppe).
Intervension / Kollegiale Supervision (100 UE)
Die Weiterbildungsgruppe organisiert sich in Kleingruppen und führt eigenständig kollegiale Supervisionen durch.
Abschlussarbeit
Die Abschlussarbeit besteht aus 5 dokumentierten abgeschlossenen therapeutischen Prozessen.
