Weiterbildung in Systemischer Therapie und Beratung (DGSF)

Die dreijährige Weiterbildung ist von der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF) zertifiziert. Als Teilnehmer*in erleben Sie einen mehrtätigen intensiven Lern- und Erfahrungsprozess im Seminarhaus Bernbruch. Unsere Trainer*innen vermitteln Ihnen die Lehrinhalte praxisnah, anschaulich und handlungsorientiert. Dafür nutzen sie ein reichhaltiges methodisches Spektrum i.S.v. methodischen Demonstrationen, Fallsimulationen und Skulpturarbeit. Im Rahmen von Sitzungsdemonstrationen lernen Sie das therapeutische Modell der Trainer*innen kennen. Kleingruppenübungen werden Ihnen helfen, einen eigenen therapeutischen Stil auszubilden. Sie können Ihre systemische Wahrnehmung und Arbeitshaltung ausbilden und Ihr persönliches Wachstum durch Selbsterfahrung anregen.
Zur Orientierung bieten wir ein Einführungsseminar (3 Tage, 28 UE) an, das die Voraussetzung für die Teilnahme an unseren Weiterbildungscurricula ist.
 Nach einer Bedenkzeit und der Bewerbung prüfen wir die Eingangsvoraussetzungen und es kommt zum Vertragsabschluss (Angaben zum Inhalt der Bewerbung). Die Weiterbildung zur Systemischen Therapie und Beratung absolvieren die Teilnehmer*innen in einer geschlossenen Gruppe. Dadurch kann das Vertrauen zwischen ihnen wachsen und sich eine konstruktive und tragfähige Arbeitsatmosphäre entwickeln, die über die einzelnen Veranstaltungen hinaus bestehen bleibt.

Seminarinhalte (411 UE):

1. Basismethoden I
(41 UE, 5 Tage, davon 28 UE Theorie und Methodik, 13 UE Selbsterfahrung)
Kennenlernen/Konstituierung der Weiterbildungsgruppe. Einführen in das Lebensflussmodell. Strukturelles und erlebnisorientiertes Arbeiten in Kleingruppen entlang der typischen Entwicklungsphasen von Familien. Risiken und Chancen der Entwicklungsphasen im Sinne von Herausforderungen. Wahrnehmung der Übergänge zwischen den Entwicklungsphasen. Erstinterview: Kontakt und Kooperation herstellen, Orientierung und Information geben. System- und Ressourcendiagnostik. lösungsorientiertes Explorieren: zirkuläres Fragen, Frage nach Ausnahmen und Lösungsversuchen, nach Entstehungstheorien. Herausarbeiten von therapeutischen Zielen. Umgang mit Ambivalenzen der Klient*innen ("Mitgehen und Führen"). Merkmale der systemtherapeutischen Haltung.


2. Basismethoden II
(36 UE, 4 Tage, davon 28 UE Theorie und Methodik, 8 UE Selbsterfahrung)

Geschichte der Familientherapie/systemischen Therapie. Vermittlung von Basistechniken: systemisches Wahrnehmen, Spiegeln und Doppeln emotionaler Erlebnisinhalte. Ressourcenorientierte Genogrammarbeit. Skulpturarbeit mit ihren Elementen und deren Nutzung: Hierarchien, Kommunikations- und Beziehungshaltungen nach Satir. Grenzen und Möglichkeiten des Perspektivwechsels. Ressourcenarbeit am Lebensfluss. Einführung in die Systemtheorie. Transfer des systemischen Arbeitens in die Praxis.

3. Basismethoden III
(36 UE, 4 Tage, davon 29 UE Theorie und Methodik, 7 UE Selbsterfahrung)

Einführung in den Konstruktivismus. Elemente des strategischen und lösungsorientierten Arbeitens: Systemisches Fragen, Arbeit mit Hypothesen, Klientenkategorien nach de Shazer, Zukunftsprojektionen, Erarbeitung von Lösungsbildern ("Wunderfrage"), Scaling, Wahrnehmung und Nutzen von Paradoxien und ambivalenter Anteile, positive Wertschätzung, konstruktives Uminterpretieren, Arbeit mit dem reflektierenden Team, Erarbeiten von Aufträgen/ Verschreibungen, Rückfallprophylaxe. Umgang mit Entscheidungskonflikten. Therapieplanung und Prozesssteuerung.

4. Basismethoden IV - Systeme und systemische Prozesse
(26 UE, 3 Tage, davon 18 UE Theorie und Methodik, 8 UE Selbsterfahrung)
Reflexion therapeutischer Positionen und Haltungen in Systemen und systemischen Prozessen anhand eines Kompetenzspiels. Erlebte Systemtheorie. Systemisches Setting Klinik/ Beratungsstelle/ freie Praxis- Wechselwirkungen und Kooperation.
Systemanalyse, Systemlandschaften, Systembegegnungen.
Einführung in das Synergistische Navigationssystem nach Schiepek zur Prozesssteuerung, Wirkfaktoren der Systemischen Therapie.
Therapeutische Begegnung – emotionale Rahmung therapeutischer Prozesse.

5. Basismethoden V - Arbeit mit dem „Inneren System“
(26 UE, 3 Tage, davon 18 UE Theorie und Methodik, 8 UE Selbsterfahrung)
Einführung in das Konzept der Multiplizität der Persönlichkeit. Herausarbeiten von Persönlichkeitsanteilen (Identifizieren, Externalisieren, Personifizieren). Anwendung von systemischen, familientherapeutischen Herangehensweisen und Methoden bezogen auf das „Innensystem“.

6. Körperorientiertes Arbeiten
(46 UE, 5 Tage, davon 38 UE Theorie und Methodik, 8 UE Selbsterfahrung)

Körperbezogenes Arbeiten in der Systemischen Therapie. Focusing: Wahrnehmung von Körperhaltung und –reaktion im therapeutischen Kontext. Nutzung der Körperwahrnehmung zur Generierung von Lösungsimpulsen. Körperorientiertes Arbeiten an "alten" Verletzungen/Auflösung von Projektionen. Einführung in die Bioenergetik, Nutzung von Körperhaltungen und Übungen zur Förderung von Beziehungen. Körperstrukturaufstellung nach Varga von Kibed und Sparrer. Körperorientiertes Arbeiten in Familien - Körperlichkeit und Energieverteilung in Familien. Körperbezogene Aufträge.

7. Partnerseminar
(30 UE, 3 Tage, davon 15 UE Theorie und Methodik, 15 UE Selbsterfahrung)

Partnerschaft - Hierzu sind Ihre Partner*innen eingeladen. Das Seminar bietet die Möglichkeit der Selbsterfahrung als Teil eines Paares und als Therapeut*in eines Paares in der Anwendung systemischer Methoden. Arbeit mit dem Paarfluss. "Entschleunigter" und versöhnender Dialog. Körperorientiertes Arbeiten mit Paaren. Paartherapeutische Herangehensweisen zum Thema Intimität und Sexualität.

8. Systemische Paartherapie
(26 UE, 3 Tage, davon 21 UE Theorie und Methodik, 5 UE Selbsterfahrung)
Modell von Partnerschaftsphasen. Arbeit an Beziehungsräumen und Beziehungsverträgen zur Abbildung und Bearbeitung der Komplexität aktueller Paarproblematiken. Arbeit mit widerstreitenden Anteilen der Partner*innen. Einführung in die Co-Arbeit, Grundparadoxon der Paartherapie, metaphorisches Arbeiten in der Paartherapie, Navigation im Paartherapieprozess, Elternarbeit, indirekte und direkte Paararbeit. Entwicklung von Aufträgen und Ritualen.

9. Familienrekonstruktion
(56 UE, 6 Tage, davon 17 UE Theorie und Methodik, 39 UE Selbsterfahrung)

Transgenerationales Arbeiten. Seminar zur Arbeit mit der eigenen Familiengeschichte. Genogramm bis zur Urgroßeltern-Generation erstellen, Information und Material sammeln, gesellschaftlich-historische Einordnung. Herausarbeitung der Werte, Traditionen, Ressourcen, Lösungsstrategien, Überlebensstrategien und Rituale der Familie väterlicherseits/mütterlicherseits. Konstruktiver Umgang mit Delegationen und Loyalitäten. Anwendung von Skulpturarbeit (strukturell und mit Rollenspielen). Nutzen für die Gegenwart jedes/jeder Teilnehmer*in. Anwendung von Familienrekonstruktion im therapeutischen Kontext.

10. Hypnosystemisches Arbeiten
(26 UE, 3 Tage, davon 18 UE Theorie und Methodik, 8 UE Selbsterfahrung)

Einführung in die Hypnotherapie - Hypnotherapeutisches Arbeiten in der systemischen Therapie zur Nutzung unbewusster Prozesse. Tranceinduktionen (Milton H. Erickson). Trancearbeit zur Ressourcen- und Lösungsgenerierung. Tranceintegration von Persönlichkeitsanteilen. Metaphorisches Arbeiten: Konstruktion und Nutzen von Geschichten in der Therapie. Nutzen von „Ankern“, Symbolen und Ritualen. Hypnotherapeutisches Arbeiten mit Paaren und Familien. Indikationen und Kontraindikationen.

11. Psychosomatische Perspektiven
(36 UE, 4 Tage, davon 28 UE Theorie und Methodik, 8 UE Selbsterfahrung)

Systemische Herangehensweise an spezifische Symptome und Krisen. Arbeit mit Menschen mit psychiatrischen, psychosomatischen und körperlichen Erkrankungen und deren Familien. Systemische Erklärungsansätze zur Entstehung und Entwicklung von psychischen, somatischen, psychosomatischen Symptomen, von Problemen und Verhaltensmustern. Umgang mit Symptomen und Diagnosen im System. Arbeit mit Externalisierungen (Retzer) sowohl im einzeltherapeutischen als auch im familientherapeutischen Setting zur Klärung von Bedeutung und Funktion des Symptoms.

12. Abschluss-Seminar
(26 UE, 3 Tage, 19 UE Theorie und Methodik, 7 UE Selbsterfahrung)
Metaperspektive. Abschlusssitzung. System-/Familientherapeutische Prozesse anhand von abgeschlossenen Fällen und Abschlussberichten Revue passieren lassen. Erfolgskontrolle – Evaluationen. Reflexion des eigenen persönlichen und beruflichen Entwicklungsprozesses innerhalb der Weiterbildung. Selbstreflexion, Reflexion durch die Gruppe und die Trainer*innen. Vorstellung von Supervisionsmodellen.

Zusätzliche Weiterbildungsbestandteile:

Fallsupervision (96 UE)
In zwei Untergruppen finden regelmäßig Fallbesprechungen statt zum systemischen Reflektieren der praktischen Arbeit der Teilnehmer*innen mit Klient*innen/Familien/Systemen. Jeweils ein/e Supervisor*in führt die Supervision durch. Es gibt 12 Supervisionseinheiten zu je 8 UE.

Systemische Praxis unter Live-Supervision (60 UE)
Während dieser Praxisseminare müssen Sie als Teilnehmer*in jeweils eine Live- Sitzung vor der Gruppe und einer/m Trainer*in durchführen. Die Therapiesitzung wird mit der Gruppe vorbereitet. Die Gruppe steht während der Sitzung als Reflecting Team zur Verfügung. Die Sitzung wird mit der Gruppe nachbereitet (3 Stunden jeweils pro TN). Dabei lernt jede/r die Arbeit der anderen Teilnehmer*innen in ihrem jeweiligen Arbeitskontext kennen und kann Familien aus der Beobachterposition heraus studieren und sich in der Arbeitsweise des Reflecting Teams üben.

Systemische Praxis (200 UE)
Zwischen den Supervisionen führen Sie als Teilnehmer*in die systemischen Therapien bzw. Beratungen eigenverantwortlich durch (mind. 200 Sitzungen), bis spätestens zwei Jahre nach Beendigung der Weiterbildung.
 Die 200 Beratungs- bzw. Therapiesitzungen werden unter Berücksichtigung der geltenden Datenschutzbestimmungen dokumentiert. Protokolle werden den Seminarleiter*innen vorgelegt. Die therapeutischen Prozesse werden supervidiert.

Intervision/Kollegiale Supervision (100 UE)
Die Weiterbildungsgruppe organisiert sich in Kleingruppen und führt eigenständig kollegiale Supervisionen durch.

Einzel-Selbsterfahrung
Sie absolvieren 15 Sitzungen systemische Einzel-Selbsterfahrung bei einer/m systemischen Therapeut*in eigener Wahl (nicht identisch mit den Seminarleiter*innen/Supervisor*innen der Weiterbildungsgruppe).

Abschlussarbeit
Jede/r Teilnehmer*in reicht eine Abschlussarbeit ein, in welcher er/sie 4 therapeutische Prozesse dokumentiert, wobei es wichtig ist , zu kennzeichnen, wie die therapeutischen Prozesse in das jeweilige Arbeitsumfeld eingebettet sind. Es muss ein therapeutischer Verlauf erkennbar sein, die systemische therapeutische Haltung und Herangehensweise deutlich werden und die Anwendung von systemischer Methodik nachgewiesen werden. Eine Reflexion der eigenen Position gegenüber dem System bzw. einzelnen Systemmitgliedern und die veränderte Position über den therapeutischen Prozess hinweg ist wichtig.
Zum anderen legen Sie eine umfassende Selbstreflexion Ihres Entwicklungsprozesses zur/m Systemischen Therapeut*in vor.

Seminarleitung:
Sebastian Funke, Bettina Lehmann, Kathrin Löschner, Sabine Holdt, Karsten Vetterlein, Gerald Gruß

Abschluss / Zertifizierung:
Bei Erfüllung aller geforderten Weiterbildungskriterien erhalten die Teilnehmer*innen das Zertifikat des Institutes, sowie auf Antrag den DGSF-geschützten Titel "Systemische/r Therapeut/in/Familientherapeut/in (DGSF)".
Als akkreditierter Fortbildungsveranstalter der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer bestätigen wir Ihnen entsprechende Fortbildungspunkte (1 UE = 1 Fortbildungspunkt). Gemäß den Fortbildungsregularien wird diese Bewertung von der Sächsischen Landesärztekammer für ärztliche Teilnehmer*innen übernommen.

Weitere Informationen

Veranstaltungsort:
Seminarhaus Bernbruch

Anzahl der Teilnehmer*innen:
16 Teilnehmer*innen

Zielgruppe:
Absolvent*innen eines Hochschulstudiums (Bachelor/Master) mit 
sozial-/humanwissenschaftlicher Ausrichtung, z.B.: Psycholog*innen, Ärzt*innen, Sozialpädagog*innen, Sozialarbeiter*innen, Pädagog*innen oder
Absolvent*innen mit einem qualifizierten Berufsabschluss im psychosozialen Bereich (mindestens dreijährige Berufsausbildung) und einer mindestens dreijährigen Berufstätigkeit im psychosozialen Bereich und zusätzlich eine abgeschlossene beraterische oder therapeutische Aus- und Weiterbildung im Umfang von mind. 200 UE oder
Absolvent*innen mit einem qualifizierten Berufsabschluss im psychosozialen Bereich (mit mindestens dreijähriger Berufsausbildung) und mindestens dreijähriger beraterischer und/oder therapeutischer Berufstätigkeit im klinischen Kontext oder im Bereich Therapie/Familientherapie oder systemischer Beratung.

Dauer & Umfang:

3 Jahre
Einführungsseminar (28 UE) +
12 Lehrseminare im Seminarhaus
(411 UE)
12 Fallsupervisionen (96 UE)
3 Live-Supervisionen á 2 Tage
(60 UE)
Intervisionen in der Kleingruppe
(100 UE)
Beratungssitzungen unter Anwendung systemischer Methoden (mind. 200 UE)
Systemische Einzel-Selbsterfahrung (15 UE)
Dokumentation und Abschlussarbeit (4 Fallberichte + Eigenreflexion)

(Die Zeiten werden in Unterrichtseinheiten UE á 45 min angegeben.)

Termine:
Der nächste Weiterbildungsgang startet vom 17. - 21.03.2020.
Bewerbungsschluss ist der 08.02.2020.
(Angaben zum Inhalt der Bewerbung)
Termine 2020

Kosten:
35 Raten zu je 198,- Euro und
1 Rate zu 255,- Euro inklusive Übernachtung im Seminarhaus (Kursgebühren 6.660,- Euro; Übernachtungskosten 525,- Euro). Einführungsseminar 238,- Euro. Geringe Verpflegungskosten bei Selbstversorgung der Gruppe
(ca. 6,- Euro / Tag).

Zusätzlich ist das Honorar für den/die Selbsterfahrungstherapeut*in einzuplanen (pro Sitzung
etwa 60,- Euro - bei 15 Sitzungen sind das bspw. 900,- Euro).


Anfrage

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